Heimatpreis Bayern

Die Preisträger - 2022

Fastnachtsgesellschaft Medine Schopfloch e. V.

Schopfloch hat eine lange Fastnachtstradition: Bereits 1937 gab es die ersten Elferratssitzungen. Die Fastnachtsgesellschaft Medine Schopfloch e. V. ist Gründungsmitglied des Fastnacht-Verbandes Franken e. V. von 1953 in Nürnberg. Eine weitere wichtige Besonderheit steckt im Vereinsnamen selbst: „Medine“ stammt aus dem Lachoudischen und bedeutet Heimat. Das Lachoudische ist eine sogenannte Geheim- oder Sondersprache und geht zurück auf Handelstätigkeiten der Juden und Wanderjahre der Schopflocher Maurer. Ab dem 16. Jahrhundert gab es in Schopfloch eine starke jüdische Gemeinde. Heute wird die Sprache nur noch von wenigen gesprochen. Der Verein hat sich der Förderung und Bewahrung des Lachoudischen angenommen. 2018 hat die Fastnachtsgesellschaft beispielsweise ein Kartenspiel auf Lachoudisch herausgegeben. Ziel ist es auch die jungen Generationen zur Weitergabe zu ermutigen. Das zeugt von bemerkenswertem Geschichtsbewusstsein. Die Fastnachtsgesellschaft Medine Schopfloch e. V. bewahrt mit ihrem Einsatz einen besonderen Teil ihrer Heimat vor dem Aussterben.

Museen im Alten Schloss Neustadt a. d.Aisch – Geschichts- und Heimatverein Neustadt an der Aisch e. V.

Der Vorgängerverein des Geschichts- und Heimatvereins wurde bereits 1906 gegründet. Vereinsziele sind die Erforschung der Heimatgeschichte und das Sammeln von historischen Objekten aus Neustadt und Umgebung. Bereits seit 1960 gibt es hierfür Ausstellungsräume im Alten Schloss. Mittlerweile sind insgesamt drei Museen mit spezifischen Themenbereichen entstanden: Im Museum KinderSpielWelten werden restaurierte Puppenhäuser, Kaufläden u. ä. präsentiert. Im Aischgründer Karpfenmuseum ist die 1.250-jährige Geschichte der Karpfenzucht dokumentiert. Die traditionelle Karpfenteichwirtschaft wurde 2020 in das Bayerische Landesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Und das Markgrafenmuseum zeigt den Aufstieg der Hohenzoller, nimmt Bezug zur Stadtgeschichte und hat eine eigene Abteilung über das Siebenerwesen, eines der ältesten Ehrenämter in Bayern. Seit 2020 gibt es auch ein Schaudepot, das die Museumsarbeit sichtbar und erlebbar macht. Die Museen im Alten Schloss arbeiten dabei in enger Kooperation mit Stadt sowie Schulen und vernetzen sich mit anderen Museen und Tourismuspartnern. Mit seiner modernen Museumsarbeit setzt der Verein einen kulturellen Schwerpunkt für die Region.

Brandenburger Kulturstadl e. V.

Der Brandenburger Kulturstadl ist ein Amateurtheaterensemble mit rund 200 aktiven Mitglieder in der Brandenburgerstraße in Bayreuth. Das Ensemble wurde 1982 gegründet und feiert heuer sein 40-jähriges Jubiläum. Das gesamte Team arbeitet ohne finanzielle Zuwendungen. Auch die aufwendige Renovierung der aktuellen Spielstätte wurde 1981-82 in tausenden Stunden Eigenleistung erbracht. Das zeugt von großem Engagement und Liebe für das Theater. Die jährlich vier bis fünf Theaterproduktionen im Bereich Komödie, Märchen, Krimi, Jugendproduktion, mit durchschnittlich 100 Vorstellungen im Jahr haben eine sehr hohe Besucherauslastung. Im Frühjahr 2017 konnte bereits die 300.000ste Besucherin begrüßt werden. Der Verein ist zudem in verschiedenen Städte- und Kulturpartnerschaften wie beispielsweise bei Gastspielen in Österreich und Frankreich involviert. Besonders hervorzuheben ist außerdem die Arbeit des Kulturstadls mit Kindern und Jugendlichen. Seit 1995 gibt es eine eigene Jugendgruppe für Kinder ab 6 Jahren und Jugendliche. Die Gruppe hat eine eigene Satzung und ein eigenständiges Vorstandsgremium. Der Brandenburger Kulturstadl ist die erste bayerische Theatergruppe, die in einen Stadtjugendring aufgenommen wurde.

Frankenwaldflößerei mit dem Floßverein Unterrodach 1864 e. V., der Flößergemeinschaft Wallenfels e. V., dem Flößerverein Neuses e. V. und der Flößervereinigung Friesen e. V.

Über acht Jahrhunderte hinweg hat die Flößerei die Kulturlandschaft des Frankenwaldes geprägt. Der Transport von Holz aus dem Frankenwald erfolgte auf dem Wasserweg bis an die Nordsee. Die letzte gewerbliche Floßfahrt fand vor über 70 Jahren statt. Vier Floßvereine sind heute Träger und Vermittler der langen Tradition der Flößerei. Sie vermitteln das historische Gewerbe und Handwerk anschaulich durch regelmäßig stattfindende Floßfahrten und Flößerfeste. Außerdem betreiben sie museale Einrichtungen wie die Frieser Flößerstuben und das Flößermuseum Unterrodach. Die Vereine beteiligen sich aktiv an der denkmalkundlichen Erfassung der historischen Kulturlandschaft. Sie tragen zum Erhalt des Wissens und Könnens hinter den Arbeitstechniken bei. Alle vier Vereine sind Mitglied in der Deutschen Flößerei-Vereinigung e. V., dem Initiator der erfolgreichen Bewerbung für die Aufnahme der Flößerei in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes. Über die internationale Arbeitsgruppe mit Lettland, Österreich, Polen, Spanien und Tschechien erfolgte 2021 die Einreichung des Antrags zur Aufnahme der Flößerei in die UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes. Die Entscheidung über die Aufnahme erfolgt Ende 2022.

AKI Förderkreis Industrie-, Handwerks- und Gewerbekultur Schweinfurt e. V.

Die Stadt Schweinfurt ist stark geprägt von der Industrie. Der AKI Förderkreis Industrie-, Handwerks- und Gewerbekultur Schweinfurt e. V. bewahrt dieses kulturelle Erbe als gemeinnütziger technisch-historischer Förderverein. Anlass für die Gründung des Vereins im Jahr 1993 war die Rettung eines Drehgreifenkranes der Sandbaggerei Blum vor der Verschrottung. Seitdem finden regelmäßige Treffen zum Informationsaustausch, zur Rückschau und Planung neuer Projekte statt. Ziele sind die Sammlung und Erhaltung von z. B. Maschinen und Werkzeugen sowie die Bewahrung von technischen Kenntnissen. Außerdem will der Förderkreis technische Entwicklungen und Effekte auf Wissenschaft, Wirtschaft und soziale Verhältnisse dokumentieren und präsentieren. Dazu hat er ein Industriemuseum in einer ehemaligen Kunstmühle eröffnet, das ehrenamtlich betrieben wird. Das Museum hat im Sommer einen Tag im Monat geöffnet, daneben werden Führungen und Sonderausstellungen wie aktuell „Als Schweinfurt das Fliegen lernte" angeboten.

Träger- und Förderverein Synagoge Memmelsdorf e. V.

Der Verein pflegt die Synagoge Memmelsdorf als historischen Ort der jüdischen Regionalgeschichte. Seine Gründung erfolgte 1993 als Initiative von Pädagoginnen und Pädagogen in Schulen und Erwachsenenbildung. 1995 erwarb der Verein mit seinen aktuell rund 120 Mitgliedern das 1729 erbaute, denkmalgeschützte Gebäudes der ehemaligen Synagoge in Memmelsdorf. Die Inneneinrichtung wurde 1938 von Nationalsozialisten zerstört. Jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger mussten auswandern, wurden deportiert oder in KZs ermordet. Anschließend wurde das Gebäude als Werkstatt und Lagerraum genutzt. Ziel der Instandsetzung der Synagoge Memmelsdorf ist die Vermittlung von Geschichts- und Verantwortungsbewusstsein sowie Zivilcourage gegen Antisemitismus. Das Projekt wurde in die Partnerschaft des Landkreises Haßberge mit Kiryat Motzkin in Israel eingebunden. Dargestellte Themen sind u. a. die Geschichte und Entwicklung des Synagogengebäudes, die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Memmelsdorf und die Entwicklung des Landjudentums in der Region. Der Verein bietet Raum zur Erinnerung und Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte und leistet einen Beitrag zur Verständigung zwischen verschiedenen Kulturen und zum lebendigen Erlernen von Toleranz.

Heimatverein Eschenbach in der Oberpfalz e. V.

Der Heimatverein besteht bereits seit 1885. Die heutigen Ziele sind u. a. die Erforschung der Heimatgeschichte, die Bewahrung und Pflege überlieferter Bräuche und Traditionen sowie die Förderung von Kunst und Kultur. 2015 erwarb die Stadt Eschenbach das Taubnschusteranwesen, das der Verein seit 1994 gemietet hatte. Das historische Gebäudeensemble wurde umfangreich saniert. Das neue Konzept des Heimatvereins ist ein Kulturzentrum mit zeitgemäßem Museum, Kulturhof und Zoigl. Das reichhaltige Programm bietet Kunstausstellungen sowie Märkte mit heimischem Kunsthandwerk, Autorenlesungen, Musikabende und vieles mehr. Daneben pflegt der Verein einen Apotheker-, Gemüse-, Bauern- und Kräutergarten. Eine weitere Besonderheit sind die traditionellen Zoiglabende in der letzten original erhaltenen Zoiglstube Eschenbachs. Die Oberpfälzer Zoiglkultur ist seit 2018 im Bayerischen Landesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes und im Bundesweiten Verzeichnis eingetragen. Das Museum mit seiner zeitgemäßen musealen Präsentation ist zudem ein sozialer und gesellschaftlicher Treffpunkt mit niederschwelligem Zugang zu Kunst, Kultur und Kulturerbe.

Lichtenegger Bund e. V.

Der Lichtenegger Bund hält seit über 35 Jahren seine herausragende Qualität der Theateraufführungen konstant hoch. Beteiligt sind äußerst engagierte und talentierte Laienschauspielerinnen und Laienschauspieler. Die Burgruine Lichtenegg bei Rimbach ist dabei eine beeindruckende Naturbühne für die Freilichtaufführungen. Die Mitglieder des Vereins übernehmen viele Aufgaben für den Theaterbetrieb, wie Bühnen- und Kulissenbau, Technik und Fertigung der Kostüme selbst. Das besondere Konzept des Vereins ist die Aufführung der Stücke aus der Regionalliteratur in Mundart wie z. B. „Rimbacher Räuber Heigl Spiel“, Der Wilde Eisengrein“ und aktuell „Der Brandner Kaspar“. Seit 1986 wirkt auch der Notz’sche Bayerwaldchor bei den Aufführungen mit. Intendant des Lichtenegger Bundes ist Johannes Reitmeier, der aus Bad Kötzting stammt. Er ist seit 2012 zudem Intendant am Landestheater Tirol in Innsbruck. Auch außerhalb der Theatersaison bringt sich der Lichtenegger Bund in der Gemeinde und im Landkreis ein.